Archiv des Autors: Micha

Der Mensch ist das Problem. Aber ist er auch die Lösung?

Immer mehr. Immer höher. Immer weiter. In einer kapitalistischen Leistungsgesellschaft, wie der unseren, zählt nur das. Wer da nicht mithält, der fällt hinten runter. Wird nicht anerkannt. Du hast nicht die aktuellen Markenklamotten? Dein Auto ist zu alt? Kein SUV? Zu klein? Dein Smartphone ist über ein Jahr alt? Du hast kein Geld, um in die neue, hippe Bar zu gehen? Du bist out.

Diese Leistungsgesellschaft fordert ihre Opfer. Du. Du suchst in einer Sucht verzweifelt vergessen und und entfernst dich so von dir selbst. Du. Du landest, nach vielen verschiedenen Therapien, wegen deiner Depression in der Psychiatrie. Du. Du funktionierst nur mit Medikamenten. Oder unter Drogen. Du. Du vergisst, wer du bist. Dein Ziel vor Augen hast du verloren. Nicht mehr auf dem Weg bist du. Oder auf einen Falschen. Du. Geblendet von einer Ideologie, der du folgst. Die dich nur benutzt. Ausnutzt. Du. Du läufst einfach nur mit. Ohne zu denken. Ohne dich selbst zu verstehen. Heute wählst du die Rechten, vor vier Jahren hast du links gewählt. Vielleicht aus Protest, aber was denkst du, weißt du das noch? Du. Vor lauter Arbeit hast du verlernt, hast du nicht den Raum und die Zeit, auf deinen eigenen Körper zu hören. Dein Körper, der krank wird. Du. Brauchst immer mehr und mehr, Neues, den großen Kick, um so etwas wie Glück zu fühlen. Ein bisschen reicht nicht. Du. Bist du das nächste Opfer?

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Socke

Wenn wir meinen, alles zu verstehen, alles ausrechnen zu können, alles zu wissen, dann wird morgen etwas geschehen, was wir im Leben nicht glaubten, das es passieren könnte.

Samstag früh schafften es die Katzen Karo und Socke irgendwie, die Haustür auf zu bekommen. Als wir es merkten, war es zu spät. Die herzkranke, neugierige Katze Karo kam gleich rein ins Haus, der eher ängstliche Socke blieb verschwunden. Wir suchten am Morgen, wir suchten am Nachmittag. Wir hängten Aushänge aus. Wir weinten. Voller Sorge. Wir suchten am Abend, in der Nacht. Verloren den Mut. Und nicht doch auch die letzte Hoffnung. Die Zeit schien stehen zu bleiben. Am Sonntagvormittag verteilten wir unsere Suchzettel noch in den Briefkästen unserer nahen Nachbarn im Dorf. Mehr konnten wir nicht tun.

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Mein Brief an Trump und Kim Jong Un

Sehr geehrter Herr Donald Trump, Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika!
Sehr geehrter Herr Kim Jong Un, oberster Führer der Demokratischen Volksrepublik Korea, Nordkorea!

Ich habe große Angst. Bin in großer Sorge. Über Ihre gegenseitigen Provokationen. Die der Anfang einer unbeherrschbaren Lawine der Vernichtung werden könnte.

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Über das Vertrauen

Wenn wir vertrauen können, dann können wir lieben. Wenn wir dieses vertrauen können von klein auf gelernt haben, so kann das unsere Kraft sein, für unser Leben, für unsere Liebe. Vertrauen und Liebe gehören zusammen. Vertrauen haben, lernen wir als Kind. Wenn wir Eltern erleben, denen wir vertrauen können, wenn wir aber diese Eltern nicht hatten, oder nicht immer, nur teilweise, dann bringt uns das als Kind ins Ungewisse. Wir spüren unseren Wunsch, wir erleben die Nähe unserer Eltern, und dann wieder die Ferne, die sich aus dem sein unserer Eltern ergibt. Aus dem, wie sie sind, in ihrem Leben. Geworden sind. Leben. Geben sie uns die Sicherheit, die Geborgenheit, den Trost? Handeln sie verlässlich, so das unsere Kinderseele sie versteht, ohne die Angst, etwas falsch zu machen, nicht zu genügen? Dieser Zwiespalt ist eine Quelle unserer Angst. Können wir vertrauen? Dem anderen? Uns selbst? Leben wir ein Leben, das uns zu Menschen macht, dem andere vertrauen können? Andere konnten meinen Vater vertrauen, baten ihn um Rat, kauften bei ihm ein. Ich konnte das nicht, ihm vertrauen, er war für mich als Kind unberechenbar. Das ist eine schwere Bürde.

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