Das Vergessen der Menschheit

Wir sind in dieser Welt. Wie wir sind. Mit unserem Charakter, Gedanken und Gefühlen. Mit unserem Glück und unserem Leid. Mit unseren Zielen, Vorstellungen von der Welt, vom Leben. Mit unserer Traurigkeit, unseren Tränen. Mit unserer Phantasie, als Kraft Neues zu entdecken. Mit unserer Zärtlichkeit. Mit unseren Zweifeln, unseren Ängsten, die uns vorsichtig machen. Manchmal misstrauisch, manchmal uns hemmen. Uns aber auch schützen. Mit unserer Sehnsucht, unserer Suche. Mit unseren Bedürfnissen, unseren Wünschen. Mit unseren Können, unseren Fähigkeiten. Und auch unseren Fehlern, unseren Irrwegen. Die wir gehen mussten, um weiter zu kommen. Mit unseren Träumen. Die unser Ansporn sind. Und unseren Sorgen. Die uns fürsorgend sein lassen. Für andere da sein. Lieben.

Alles ist vielschichtig. Was gerade gut erscheint, kann anders werden. Was Schlechtes kann sich zum Guten wenden. Was gestern richtig war, kann morgen anders sein. Das Glück ist veränderlich, wie alles ein werden und ein vergehen ist, nichts ins Unendliche wachsen kann. Was heute als Fehler erscheint, kann morgen genau das Richtige gewesen sein. Unsere Bewertungen, unsere Massstäbe sind veränderlich. Das bedeutet Leben: Veränderung.

Blickt man in diese Welt, so vergisst der Mensch oft diese einfachen Dinge. Er denkt, dass er immer mehr braucht. Mehr Geld. Mehr Macht. Gierig. Süchtig nach allen möglichen. Krank. Blendet er aus, dass sich alles verändern kann. Es im wachsen und mehr werden, nur eine trügerische Sicherheit gibt. Er blendet aus, dass der Mensch ein Teil der Umwelt ist. Schon, in dem er sagt, dass es eine „Um-Welt“ gibt, erhebt er sich über diese „Umwelt“. Sich nicht mehr als ein Teil des Ganzen zu fühlen, sich als etwas besseres zu geben, egoistisch an sich zu denken, ist das Problem.

Der Mensch hat sich über die Welt erhoben, nicht nur über das andere Geschlecht, oder unsere Kinder, sondern über alle Dinge dieser Welt. Der Mensch denkt, er ist etwas besseres als die Blume, das Insekt, der Stein, die Ratte oder der Baum. Die Bodenschätze haben keine Stimme. Der Ort, der dem Abbau der Kohle im Weg steht. Wird nieder gemacht. Ausgebeutet. Und geht der Mensch, ist alles zerstört, bleibt eine tote Mondlandschaft übrig.

Der Mensch findet genau in diesem sich über etwas erheben seine Kraft. So glaubt er. Sich über etwas stellen bedeutet ausgrenzen, des anderen, das was nicht passt. Die Frau, der Nachbar, der Fremde, der anders Gläubige, wird zur Bedrohung, zur Gefahr für den eigenen Wohlstand. Das ist so doch viel einfacher. Schuldig ist der andere, wir haben doch unsere eigenen Probleme. Sollen die anderen mit ihren Problemen doch weg bleiben. Sie sind fremd. Also gehören sie nicht hier her, haben keine Rechte.

In dem der Mensch sich über andere erhebt, vergisst er, verdrängt er, dass es nur gemeinsam gehen kann. So wie es in der Natur nur gemeinsam geht. Kleine Insekten, so eklig sie auch zu sein scheinen, ihren Patz, ihren Sinn haben, in dieser Welt, und sei als Bestandteil der Nahrungskette. So wird es mit dem im Krieg oder im Hunger vertriebenen Heimatlosen nur gemeinsam gehen. Ohne sich über den anderen zu stellen. Ohne sich besser oder auch schlechter zu machen. Sondern den Wert jedes Individuums zu achten. Dieses Denken muss Grundlage werden, in unserer Gesellschaft, nicht die Ausgrenzung, der Macht und der Gier wegen, oder der Sucht oder des Verdrängens wegen, oder die Herrschaft über andere, über Frauen, über anders Denkende wegen, sondern, wegen dem Gemeinsam, unser Sein, ich und du, als ein Teil der Welt.

Zuviel Steuern zahlen? Solidarisch denken, handeln und leben? Der Mächtige, der gierige, egoistische Mensch, will sich schützen. Will seine Macht nicht teilen. Will nicht abgeben. Außer zu seinem Vorteil. Und zu diesem Schutz tut er alles. Stellt sich als gut da, als Vorbild, als Superheld. Seht doch, ich kann sogar ein Land regieren. Und was schert mich die Meinungsfreiheit, die Rechte der anderen, die Rechte der Natur. Seht doch. Wir bauen die letzen Reste der Kohle ab. Pressen mit Giften die Gase aus der Erde. Jubelt mir zu, feiert mich, ihr werdet alle Arbeit haben, profitieren, von meiner Macht. Und die Menschen glauben daran. Handeln selbst so. Verdrängen die anderen. Werden Gierig. Krank. In diesem Kreislauf gefangen.

Dieser Kreislauf ist eine unendliche Spirale. Die wir von unseren Eltern erben. Und sie von ihren Eltern. So wie in uns vieles lebt, was unsere Vorfahren lebten. Uns vermittelten. Vater war im Krieg. Kriegsbeschädigt. Konnte damit gut oder schlecht umgehen. Wurde zum Trinker. Süchtig. Traurig. Gewalttätig. Weil er nicht gelernt hatte, anders zu sein. Von seinem Vater, der es nicht gelernt hatte, andere zu sein. Sich mit seinem eigenen denken und fühlen nicht befreien konnte, aus dem Erbe der Vergangenheit. Und es sich nicht eingestehen konnte, die eigene Schuld, das eigene Versagen, vielleicht. Mutter wurde missbraucht. Vom Stiefvater. Und hat es nicht gelernt, darüber zu reden, ihr Unglück zu teilen. Sich mitzuteilen. Und gibt es weiter an ihre Kinder, unbewusst dringt es in ihr Sein. Nicht verarbeitet. Vielleicht wurde der Stiefvater von seinem Vater geschlagen. Zerstört. Ein Opfer wird zum Täter, einer wird krank, depressiv, oder gar schlecht, weil andere schlecht waren. Von denen wir oft noch nicht einmal den Namen kennen.

Unbewusst ist das eine, die unbewusste Vererbung an die Seele, das bewusste weitergeben der eigenen Vorstellungen und Wahrheiten, das andere. Denn wo hört es auf? Unsere Kinder nicht zu in­dok­t­ri­nie­ren. Sondern sie als frei denkende und zu Empathie fähige Menschen zu erziehen, und ihnen unsere eigenen Werte mit auf dem Weg zu geben. Denn wo ist die rote Linie? Sind unsere Werte gut? Können wir sie ohne Bedenken vermitteln? Sind sie politisch und moralisch einseitig, radikal oder extrem, eingefärbt von Ideologien? Dann sollten wir das sehr vorsichtig tun. Und fördern, dass unserer Nachwuchs zum freien und eigenen denken befähigt wird. Denn nur so können unsere Kinder später, wenn sie erwachsen sind und eigene Erfahrungen gesammelt haben, das Erlebte, die eigene Seele, die Verletzungen und Vererbungen der Vergangenheit, bearbeiten, und daraus lernen, und versuchen, es nicht an ihre Nachkommen weiter zu geben. Weder Unbewusst noch bewusst.

All das sich einzugestehen. Verantwortung zu übernehmen, für das eigene Leben. Als ein Teil. Und gemeinsam. Und gleichberechtigt. Das ist schwer. Da ist es doch für viele einfacher, gierig und mächtig und gewalttätig zu sein. Und in der Sucht zu vergessen. Zu verdrängen. Und die eigene Schuld auf die Schultern Unschuldiger abzuladen.

Und wer anders denkt. Der wird ausgegrenzt. Wird als Krank hingestellt. Als nicht Leistungsfähig abgestempelt. Nehme doch Tabletten, dann gehörst du dazu. Wird ihm gesagt. Bis er es selber glaubt. Oder er wird eingesperrt, misshandelt, vergewaltigt, wird umgebracht. Bis sich keiner mehr traut, etwas zu sagen.

Die Gier, die Macht, die Sucht, wird alles zerstören. Die Welt. So wie wir sie kennen. Die Natur. Die Erde. Wenn die Menschheit, unsere Kinder, nicht endlich begreifen, sich als gemeinsamer Teil dieser Welt zu sehen. Und so zu leben.

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