Früher war alles besser

Nein. Das war es nicht. Früher war nicht alles besser. Es war anders. Es hat sich entwickelt. Es hat sich verändert. Und diese Änderung nimmt uns von der Sicherheit, die wir suchen. Diese Veränderung gibt uns das Gefühl, mit der „neuen Zeit“ nicht mehr mit zu kommen. Verunsichert uns. Führt uns vor Augen, dass wir älter werden. Vielleicht sogar, abgehängt zu sein, in dieser Welt.

Aber eines war früher besser. Denn nichts gilt generell. Wie Veränderungen nicht generell gut sind. Oder generell schlecht. Oder das, was aus den Veränderungen erwächst. Manche Dinge muss man verändern. Unabdingbar sich aus einen Kompromiss lösen. Auch wenn man sich lange arrangiert hat, seine Schwerpunkte anders gesetzt hat. Es Gemeinsamkeiten gab, eine verbindende Geschichte. Man kann dann entweder stehen bleiben, sich weiter „arrangieren“, mit der Situation. Oder man kann – muss – gehen, sich aus der Lage heraus lösen. Nicht stehen bleiben, auf dem eigenen Weg des Lebens. Denn bei aller Veränderung, eines kann man nicht verändern: einen anderen Menschen. Man kann ihn verstehen, leichter, wenn das Denken und Fühlen sehr ähnlich ist, harmoniert, vergleichbare Werte und Erfahrungen hat. Man kann einen Menschen nur annehmen, so wie er ist. Wenn sich dieser Mensch aus sich heraus verändern mag, auf seinen Weg sein möchte, dann kann man ihn dabei unterstützen, an seiner Seite gehen, ihm helfen. Mit ihm gemeinsam in Bewegung sein. Aber wenn es nicht (mehr) passt, die eigene Entwicklung zu der des Freundes, des Partners, des Anderen, dann kann man nichts dagegen tun, nichts passend machen, was nicht passt. So bitter das auch ist, für alle. Man kann nur gehen. Wenn man sich in einem faulen Kompromiss nicht aufgeben möchte. Und vielleicht eröffnet dieses eigene Weggehen, auf dem Weg sein, ja auch neue Perspektiven und Möglichkeiten für den verlassenen Partner…

Aber zurück zum Thema. Früher war nicht alles besser. Aber vielleicht eines war früher besser. Noch zu meiner Generation gab es Respekt. Respekt vor älteren Menschen. Vor Erwachsenen. Dieser Respekt scheint sich zu verlieren. Der Mensch neigt sowieso zur Respektlosigkeit. Sein Umgang mit den Ressourcen der Erde sprechen eine eindeutige Sprache. Aber mehr und mehr färbt die Geringachtung ab. Auf den zwischenmenschlichen Umgang. Mobbing wird im Zeitalter des Internets immer einfacher und leichter. Im Schein, im Anschein der Anonymität. Einer scheinbaren Anonymität. Menschen in höchsten Ämtern leben uns zudem diese Respektlosigkeit vor. Wie der amerikanische Präsident. Diese Lawine des narzisstischen, egoistischen „ich alleine bin der Führer“ wird immer größer. Und Gefährlicher. Sie wird die Menschheit nicht heilen.

Etwas, was sich immer mehr verändert, vom früher ins jetzt, ist die Arbeitsteilung. Alles wird aufgeteilt, in Prozesse, das Leben ist einfach zu komplex. Was sich in dieser Arbeitsteilung aber zu verlieren droht, ist das Gemeinsam. Auch wenn Teamgeist gefragt wird, so bedeutet ein Team doch meisten nur, dass die Aufgaben geteilt werden, und das Ergebnis zusammen getragen wird. Dies alles ist an sich nicht schlecht, denn in dieser Welt geht es kaum anders. Aber alles ist auf Optimierung ausgerichtet, keine zwei Teammitglieder sollten sich mit der gleichen Sache beschäftigen. Dabei geht in der Arbeitsteilung das wirkliche Gemeinsam verloren. Um so wichtiger ist es, in einer Beziehung, einer Partnerschaft, einer Liebe dieses Gemeinsam zu leben.

Und außerdem: Früher war nicht alles besser. Nur anders.

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