Jeder Mensch ist ein Verbrecher

In dieser Welt zu leben ist eine Strafe. Nein. In dieser Welt möchte ich nicht sein. Ein Lügner sagt über den anderen Lügner, er hat doch nicht gelogen. Er hat auch nichts verraten. Und die Welt glaubt ihm. Ein Lügner beschimpft die, die versuchen die Wahrheit zu sagen, als Lügner. Ein Lügner präsentiert sich als Opfer. Immer und immer wieder versucht er so, mit seiner Tirade, die Lüge zur Wahrheit zu machen. Und höhlt damit die Wahrheit aus. Korrektheit wird beschimpft. Bis alle es glauben, dass Korrektheit falsch ist. Dummheit entlarvt sich mit jeder Geste, jedem Wort. Wer etwas dagegen sagt oder tut, wird bedroht, entlassen, oder Schlimmeres. Bis keiner sich traut, seine eigene Meinung nur zu denken. Eine angebliche Bedrohung wird aufgebauscht, um so die Reaktion darauf zu rechtfertigen und die eigene Mächtigkeit zu beweisen, Hass zu schüren. Gewalt als Mittel wird gebilligt. Erlaubt. Als kleineres Übel. Selbst der Tod wird dabei billigend in Kauf genommen. Das Leben hat keinen Wert. Das Leben jedes einzelnen Menschen. Wird geopfert. Auf den Weg der Macht.

So funktioniert die Welt im 21. Jahrhundert nach Christi Geburt. Ausbeutender, gieriger Kapitalismus ist unsere Religion geworden. Wo ein Geschäft gewittert wird, wird es gemacht. Wenn das Geschäft auch mit billigen Fälschungen gemacht werden kann, umso besser. 6000 % Gewinn. Natürlich steuerfrei. Was kümmern uns die Opfer. Wir kaufen die anderen. Ihr Gewissen. Wir fälschen Papiere, Untersuchung, manipulieren und korrumpieren. War es vor 500 Jahren anders? Habgier und Machtbesessenheit gab es schon immer. Hexen wurden verfolgt, verbrannt, ermordet, weil es Menschen glaubten, dass es Hexen gibt. Die Evolution des Menschen beschränkt sich darauf, in seiner Sucht, in seiner Begierde, zu verwüsten, zu zerstören und dabei so viel Müll zu erzeugen, in dem die Menschheit zu ersticken droht. Bei allem wird der Kopf ausgeschaltet, vom Gefühl gar nicht zu reden. Es heißt, immer schneller und kürzer zu handeln, um dabei das Nachdenken zu vernachlässigen. Keine Zeit. In 140 Zeichen muss die Welt erklärt werden. Weil es sonst keiner verstehen kann. Wird uns glauben gemacht. Und schnell noch twittern. Ein Kommentar bei Facebook. Ein Bild bei Snapchat. Weil ich doch so wichtig bin. Es alle wissen müssen. Ich den Kommentar brauche. Bestätigung. Beweihräucherung. Damit mein Leben einen Wert hat. In dieser Welt. In der das Leben keinen Wert hat.

Da beißt sich die Katze in den Schwanz.

Was braucht es, um die Welt zu ändern? Es braucht das Finden neuer Werte. Jedes Ding, jedes Lebewesen, jeder Stoff, jede Pflanze, muss ihren Wert bekommen. Kein Wert, der von einem Gewinn bestimmt wird, sondern ein Wert, der von der Arbeit an diesem Ding und von dem Wert der Ressourcen gebildet wird. Es darf nicht mehr um Gewinnmaximierung gehen, sondern der Wert muss sich bemessen, an der Nachhaltigkeit und der Wiederverwertung im Kreislauf des Lebens. Gesundheit, Bildung, Natur dürfen keine Spekulationsobjekte sein, sondern müssen ihren Wert als Basis, als Grundlage des Lebens erhalten. Keiner braucht mehr als der andere, Luxus ist nett, Komfort darf auch sein, wenn er zum Wohlfühlen der Seele beiträgt. Leistung sollte Ansporn sein, aber nicht die Seele zerstören. Das Streben des Menschen muss andere Ziele haben. Nicht die Menge des Geldes auf dem Konto, sondern die Menge, die eine Sache, eine Handlung dazu beiträgt, um Leben zu erhalten, zu ermöglichen, das Glück, das mit Leben entsteht, sollte das Ziel einer Gesellschaft sein. Das gemeinsame Ziel aller Menschen. Frei. Nicht die Ausgrenzung, sondern das gemeinsam sollte unser Sein tragen. Aber dies nie als Zwang. Wird ein Schutzraum für Menschen mit besonderen Fähigkeiten benötigt, so sollte es diesen geben, um diese Fähigkeiten zu entfalten. Keine Ausgrenzung von Menschen mit körperlichen Handicap, mit andere Religion oder Hautfarbe, mit anderen Geschlecht oder anderer körperlichen Orientierung. Kein Sortieren in gut oder schlecht. Denn wer weiß es, was gut, was schlecht ist? Wer legt das fest? Wenn es sich orientiert an dem Wert des Lebens, und nicht an der Menge des Geldes, das sich damit verdienen lässt, so erhalten wir andere Maßstäbe von gut und schlecht.

Nur mit dieser anderen Gesellschaft, einer freien Weltgemeinschaft, wären die Menschen, Du und ich, keine Verbrecher. Aber das wird eine utopische Utopie sein, bleiben, weil die Welt anders ist.

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