Über das Vertrauen

Wenn wir vertrauen können, dann können wir lieben. Wenn wir dieses vertrauen können von klein auf gelernt haben, so kann das unsere Kraft sein, für unser Leben, für unsere Liebe. Vertrauen und Liebe gehören zusammen. Vertrauen haben, lernen wir als Kind. Wenn wir Eltern erleben, denen wir vertrauen können, wenn wir aber diese Eltern nicht hatten, oder nicht immer, nur teilweise, dann bringt uns das als Kind ins Ungewisse. Wir spüren unseren Wunsch, wir erleben die Nähe unserer Eltern, und dann wieder die Ferne, die sich aus dem sein unserer Eltern ergibt. Aus dem, wie sie sind, in ihrem Leben. Geworden sind. Leben. Geben sie uns die Sicherheit, die Geborgenheit, den Trost? Handeln sie verlässlich, so das unsere Kinderseele sie versteht, ohne die Angst, etwas falsch zu machen, nicht zu genügen? Dieser Zwiespalt ist eine Quelle unserer Angst. Können wir vertrauen? Dem anderen? Uns selbst? Leben wir ein Leben, das uns zu Menschen macht, dem andere vertrauen können? Andere konnten meinen Vater vertrauen, baten ihn um Rat, kauften bei ihm ein. Ich konnte das nicht, ihm vertrauen, er war für mich als Kind unberechenbar. Das ist eine schwere Bürde.

Von meinem Vater ging viel Gewalt aus. Im Krieg stumpfte er ab. Verlor sich. Diese Aggressivität beherrschte sein Leben. Aggressivität zerstört. Zerstört Vertrauen. Ich bin nicht wie mein Vater. Aber wenn mir ein Mensch sagt, ich verlasse dich, wenn du einem mir nahem Menschen etwas antun würdest, so schürt es meine Angst. Kann man mir vertrauen, weil mein Vater so war wie er war?

Jeder lebt aus der eigenen Geschichte sein Leben. So manches bleibt dabei unverarbeitet. Und man gibt es so weiter. An die Kinder. So lebt das eigene Schicksal weiter und formt das sein, das Denken und Handeln der Nachkommen. Der Kreislauf des Lebens. Aber man ist nicht Gefangener der eigenen Geschichte, der Geschichte der Eltern. Man kann sich daraus heraus entwickeln, seine Werte finden. Es ist schwer, die Herausforderung überhaupt, aber man kann. Und doch wird einen die Geschichte nie loslassen. Bis zum letzten Atemzug nicht.

Aber auch ein grenzenloses Vertrauen können kann es nicht geben. Es kann immer auch Situationen geben, die es notwendig machen, das in einen gesetzte Vertrauen zu brechen. Ich verließ meine Ex-Ehefrau. Dafür hatte ich meine Gründe, aber all diese Gründe bedeuten, dass ich das ihr gegebene Versprechen brechen musste. Um bei mir zu bleiben, zu mir zu kommen, auf meinem Weg zu sein, musst ich das Versprechen brechen. Wenn ein Freund einem sterbenden Menschen verspricht, sich immer um sein Kind zu kümmern, und dieses Versprechen nicht halten kann. So bricht er das Vertrauen, das in ihn gesetzt wurde. Aber er konnte auch nicht soweit in die Zukunft schauen. Um zu sehen, dass die Erwartung, die andere und er in sich selbst gesetzt hatte, unerfüllbar ist.

So ist der Weg zum Selbstbewusstsein ein mühsamer Weg. Erschwert, dadurch, was uns unsere Eltern mit auf dem Weg gaben. Und wenn wir dann so schön selbstbewusst sind, wo ist die Grenze? Wenn dieses Selbstbewusstsein zum Beispiel mündet in einen grenzenlosen Egoismus? In eine Egozentrik, in der sich alles nur noch um das eigene Leben dreht? Wir sollten also bei allem Selbstbewusstsein auch lernen, emphatisch zu bleiben, empfindsam für andere, mitfühlend. Aber auch hier heißt es aufzupassen. Empathie ist gut, aber wenn wir uns nur noch aufopfern, für andere, wenn wir dabei den Blick auf uns selbst verlieren, und unser Selbstbewusstsein nur aus dem Schöpfen, was wir für andere Meistern, so besteht die Gefahr, dass wir über unsere eigene Kraft hinaus gehen.

Wenn wir Verantwortung tragen, diese Leben, für unsere Eltern, unsere Kinder, unsere Mitmenschen. So ist das wichtig. Ist das gut. Denn wir übernehmen Verantwortung für das Leben. Aber ein Zuviel überfordert uns. Wir können nicht die Verantwortung übernehmen, für das Leben, das andere Menschen leben, was sie mir ihrem Leben machen. Das liegt eben nicht in unserer Verantwortung.

Verantwortung tragen wird immer schwerer. Unser handeln als Mensch ist oft so komplex, dass wir die Folgen einfach nicht absehen können. So geben wir lieber Verantwortung ab, lassen andere Handeln. Was kümmert uns doch das Leben, die Natur, Pflanzen und Tiere, die Erde. Verseucht vom Müll unserer Zeit. Ausgebeutet auf der Suche nach Rohstoffen. Ruiniert für die Produktion neuster Technik. Zerstört für ein außergewöhnliches Urlaubsparadies. Wir verlernen so, Verantwortung zu tragen, für unser sein in dieser Welt. Eine Überforderung lässt sich nur vermeiden, wenn wir teilen. Wenn wir uns damit nicht alleine fühlen. Die Last nicht nur auf einer Schulter liegt. Unsere Seele, unsere Psyche zerbricht in einer Depression. Wenn es kein gemeinsam gibt, kein Verstehen, kein Verständnis, kein Vertrauen. Dann doch lieber ein Verstecken hinter Masken? Dann doch lieber der Glaube an eine Ideologie? Dann doch lieber die Flucht in eine Sucht?

So ist es das Schwerste im Leben in Waage zu bleiben, im Gleichgewicht. In der Balance, damit uns der Blick in eine Richtung nicht den Blick in die andere Richtung verstellt. Authentisch, damit man uns vertrauen kann. Und wir uns selbst. Und wir in Liebe leben.

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