Archiv des Autors: Micha

Vater und Sohn

Sein Vater starb mit Mitte fünfzig. Jünger, als nun er jetzt ist. Er hat ihm nichts vorzuwerfen, nichts zu verzeihen. Der Sohn dem Vater. Weil er versucht zu verstehen.

Vater war Alkoholiker. Keine Feier ohne Bier und Schnaps. Das gehörte dazu. Um lustig zu sein. Spaß zu haben. Er macht vieles nicht so, wie sein Vater. Er trinkt nie zu viel. Mal ein Glas Bier im Sommer. Abends ein Glas Rotwein. Mehr nie. Er braucht das nicht. Um lustig zu sein. Oder die Augen zu verschließen. Vater brauchte es. Um zu vergessen. Den Krieg. In dem er als junger Mann, als Kind, eingezogen worden war. Die Wunden der Verletzung. Manchmal schmerzte ihn der amputierte Arm. Phantomschmerzen nannte er es. Ein Arm war verloren. Nicht nur ein Arm. Ein Stück von der Seele. Ein Teil von der Möglichkeit, sich einzufühlen. Weil Gewalt zum Überleben überlebenswichtig war. Und ihn abgestumpft hatte.

Ein Junge weint nicht. Du willst doch ein Mann werden. Waren Vaters Worte, wenn dem Sohn, als kleines Kind, die Tränen kamen. Im Lauf der Jahre wurde der Rücken krumm. Sitz doch gerade, herrschte ihn der Vater immer wieder an. Es half nicht. Vater konnte mit Befehlen nicht die Last nehmen, die sich mit der Zeit auf den Schultern des Sohnes anhäufte.

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Langweilig

Bin ich dir zu langweilig? Nein. Du bist ehrlich. Ohne Falschheit. Ohne Lüge. Du bist natürlich. Authentisch. Zärtlich. Voller Gefühle. Mit dir lebt eine Zeitlosigkeit. Ein Stillstehen der Uhren. Eine Offenheit. Ohne Maske. Ohne verstecken. Ein schöner Humor. Eine leise Person. Nichts Großes. Nichts, was immer mehr und immer größer werden muss. Was zufrieden sein kann. Mit dem was ist. Sensibel. Wahrnehmend. Verantwortung tragend. Nicht ohne Zweifel. Nicht ohne Angst. Manchmal auch verzweifelt. Auf dem Weg, zu begreifen. Das alles Leben bedeutet. Zum Leben gehört. Das Leben ausmacht.

Alles hat seine Zeit. Wenn wir es lassen. Wie es ist. Nicht verändern wollen. Was sich nicht von sich aus verändert. Das alles sein Wachsen hat. Sein Werden. Und sein Vergehen. Sein Ende. Das wir dieses Wachsen begleiten können. Helfen können, dass es gedeiht. In dem wir es sehen. Fördern. Aber das wir nicht erzwingen können, was nicht ist.

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Ein Strauss „guter“ Ideen

Sexuelle Übergriffe von Männern. Überall. Wo es Abhängigkeiten gibt. Hierarchien. Sexismus. Machtspiele. Nichts anderes. Und dabei die Lust zu empfinden. Zu kommen. Zu zeigen. Wer Mann ist. Ein Mann. Der herrscht. In der Not verkaufen Eltern ihre Mädchen. Je jünger, umso besser. Verheiraten sie. An reiche alte Männer. Und genügt die Frau nicht mehr, wird eine neue gekauft. Wen kümmern das Leid, das Schicksal einer Frau? Wo besser als im Sex kann Mann sein Ego stärken. Sehen. Sein. Koste, was es wolle. Egal was Frau dabei empfindet. Was sie fühlt. Was es für sie bedeutet. Als Objekt der Begierde der Männer. Vielleicht sollten Männer das einfach legalisieren. Als ein Naturgesetz. Umso mächtiger wäre doch der Mann. Ist doch eine „gute“ Idee, oder?

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Der Mensch ist das Problem. Aber ist er auch die Lösung?

Immer mehr. Immer höher. Immer weiter. In einer kapitalistischen Leistungsgesellschaft, wie der unseren, zählt nur das. Wer da nicht mithält, der fällt hinten runter. Wird nicht anerkannt. Du hast nicht die aktuellen Markenklamotten? Dein Auto ist zu alt? Kein SUV? Zu klein? Dein Smartphone ist über ein Jahr alt? Du hast kein Geld, um in die neue, hippe Bar zu gehen? Du bist out.

Diese Leistungsgesellschaft fordert ihre Opfer. Du. Du suchst in einer Sucht verzweifelt vergessen und und entfernst dich so von dir selbst. Du. Du landest, nach vielen verschiedenen Therapien, wegen deiner Depression in der Psychiatrie. Du. Du funktionierst nur mit Medikamenten. Oder unter Drogen. Du. Du vergisst, wer du bist. Dein Ziel vor Augen hast du verloren. Nicht mehr auf dem Weg bist du. Oder auf einen Falschen. Du. Geblendet von einer Ideologie, der du folgst. Die dich nur benutzt. Ausnutzt. Du. Du läufst einfach nur mit. Ohne zu denken. Ohne dich selbst zu verstehen. Heute wählst du die Rechten, vor vier Jahren hast du links gewählt. Vielleicht aus Protest, aber was denkst du, weißt du das noch? Du. Vor lauter Arbeit hast du verlernt, hast du nicht den Raum und die Zeit, auf deinen eigenen Körper zu hören. Dein Körper, der krank wird. Du. Brauchst immer mehr und mehr, Neues, den großen Kick, um so etwas wie Glück zu fühlen. Ein bisschen reicht nicht. Du. Bist du das nächste Opfer?

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