Archiv der Kategorie: Gefühle

Nicht vergessen

Uli ist freiwillig aus dem Leben gegangen.

Ich kannte sie. Nicht gut. Aber ein bisschen.

Als wir unseren Garten hatten, in der Kolonie,
hatte sie ihren Garten eine Ecke weiter.

Ihre Beziehung zerbrach.

Viele Jahre hat sie für die Diakonie gearbeitet.

Sorgte sich um Qualität.

Wurde schwer Krank.

Krebs.

Überstand diese Krankheit.

Uli erfüllte sich einen Traum.

Übernahm ein gemütliches Restaurant in Berlin-Wedding.

Am Ufer der Spree.

Vielleicht hat sie sich übernommen.

Vielleicht kam die Krankheit zurück.

Vielleicht trübte Alkohol ihren Blick.

Vielleicht wollte sie sich einfach nicht mehr wehren.

Und sie sprang aus dem Leben.

*1965 †2014

»Szenen wie aus dem Katastrophenfilm«

Diese Schlagzeile steht heute (17.4.2014) im »Der Tagesspiegel«, Nummer 22020, auf Seite 28 – Weltspiegel, und bezieht sich auf die gekenterte südkoreanische Fähre »Sewol«. Nach diesem schrecklichen Unglück werden noch über 300 Menschen vermisst.

So weit sind wir also nun. Wir setzen eine Katastrophe mit wahrscheinlich hunderte Leidtragenden gleich mit einem Film, einer von Menschen gemachten Fiktion, die nicht der Realität entsprechen muss, bei der es keine Opfer gibt. Wir vergleichen die Realität mit einen Film, und merken dabei nicht, wie wir damit den Film zur Wirklichkeit erheben. Glauben wir den Bildern bald mehr als dem realen Leben?

Von einzelnen Journalisten, aber vielmehr noch von einer Zeitungsredaktion, erwarte ich mehr, setze ich das Gespür für die Wahl der »richtigen« Worte voraus.

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Friedensdorf

„Wir können wohl nicht verhindern, dass diese Schöpfung eine Welt ist, in der Kinder gemartert werden, aber wir können die Zahl der gemarterten Kinder verringern. Und wenn Sie uns dabei nicht helfen – wer soll uns dann helfen?“ (Albert Camus)

Wir haben in der letzen Woche den kleinen Shakzod aus Tadschikistan kennengelernt, der in Berlin in einem Krankenhaus wegen seiner schweren Verbrennungen behandelt wird. Ich bin tief beeindruckt von diesem kleinen Menschen, aber auch von der Hilfe, die er durch Friedensdorf International erhält.

Link: www.friedensdorf.de

Der traurige König

Es war ein Mal ein König, der war sehr, sehr traurig. Keiner konnte ihm helfen. Seine Minister wussten keinen Rat mehr. Immer, wenn ein Mensch geboren wird, dann stirbt auch einer in meinem Land. Das kann doch nicht sein, so dachte der König in seiner Verzweiflung. Der Narr hörte von der großen Traurigkeit des Königs und ging zu ihm. „König“, so sprach der Narr, „sehe es doch so: Immer, wenn ein Mensch stirbt, so wird ein neues Leben in Deinem Reich geboren“.

Aus ARD Tatort, Der traurige König (Fernsehfilm, Deutschland 2012)