Archiv der Kategorie: Leben!

Vater und Sohn

Sein Vater starb mit Mitte fünfzig. Jünger, als nun er jetzt ist. Er hat ihm nichts vorzuwerfen, nichts zu verzeihen. Der Sohn dem Vater. Weil er versucht zu verstehen.

Vater war Alkoholiker. Keine Feier ohne Bier und Schnaps. Das gehörte dazu. Um lustig zu sein. Spaß zu haben. Er macht vieles nicht so, wie sein Vater. Er trinkt nie zu viel. Mal ein Glas Bier im Sommer. Abends ein Glas Rotwein. Mehr nie. Er braucht das nicht. Um lustig zu sein. Oder die Augen zu verschließen. Vater brauchte es. Um zu vergessen. Den Krieg. In dem er als junger Mann, als Kind, eingezogen worden war. Die Wunden der Verletzung. Manchmal schmerzte ihn der amputierte Arm. Phantomschmerzen nannte er es. Ein Arm war verloren. Nicht nur ein Arm. Ein Stück von der Seele. Ein Teil von der Möglichkeit, sich einzufühlen. Weil Gewalt zum Überleben überlebenswichtig war. Und ihn abgestumpft hatte.

Ein Junge weint nicht. Du willst doch ein Mann werden. Waren Vaters Worte, wenn dem Sohn, als kleines Kind, die Tränen kamen. Im Lauf der Jahre wurde der Rücken krumm. Sitz doch gerade, herrschte ihn der Vater immer wieder an. Es half nicht. Vater konnte mit Befehlen nicht die Last nehmen, die sich mit der Zeit auf den Schultern des Sohnes anhäufte.

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Langweilig

Bin ich dir zu langweilig? Nein. Du bist ehrlich. Ohne Falschheit. Ohne Lüge. Du bist natürlich. Authentisch. Zärtlich. Voller Gefühle. Mit dir lebt eine Zeitlosigkeit. Ein Stillstehen der Uhren. Eine Offenheit. Ohne Maske. Ohne verstecken. Ein schöner Humor. Eine leise Person. Nichts Großes. Nichts, was immer mehr und immer größer werden muss. Was zufrieden sein kann. Mit dem was ist. Sensibel. Wahrnehmend. Verantwortung tragend. Nicht ohne Zweifel. Nicht ohne Angst. Manchmal auch verzweifelt. Auf dem Weg, zu begreifen. Das alles Leben bedeutet. Zum Leben gehört. Das Leben ausmacht.

Alles hat seine Zeit. Wenn wir es lassen. Wie es ist. Nicht verändern wollen. Was sich nicht von sich aus verändert. Das alles sein Wachsen hat. Sein Werden. Und sein Vergehen. Sein Ende. Das wir dieses Wachsen begleiten können. Helfen können, dass es gedeiht. In dem wir es sehen. Fördern. Aber das wir nicht erzwingen können, was nicht ist.

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Wer bin ich schon

Nicht der große Zampano
Keinesfalls mehr sein als schein
Lieber weniger
Und leise und einfach
Nicht in der ersten Reihe
Keine großen Reden schwingend
Ohne Ellenbogen

Nicht so tun als ob
Vielmehr dezent
Zärtlich und sinnlich
In mir
Verstehen suchend
Verletzlich in der Seele
Verantwortung tragend

Mit Liebe für Menschen
Die sind wie sie sind
Fühlend
Nackt ohne Maske
Nicht ohne ein Lachen
Aber nie
Über dich

Leben

Wenn ein Kind nicht klar ein Ja oder Nein erfährt, kann es nicht einschätzen, was ein Ja oder Nein bedeutet. Es findet schwer seinen Halt. Alles braucht seinen klaren Rahmen. Es braucht die Klarheit, nicht Worte und Taten, Gefühle und Leben als Widerspruch zu empfinden. Und somit schwer einordnen zu können.

Alles braucht seinen Zeitpunkt. Seinen Rhythmus. Wenn ein Kind Hunger hat, und dann nicht zu essen bekommt, in der Regelmäßigkeit. Was wird dann wohl aus diesem Menschen?

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