Der Mensch ist das Problem. Aber ist er auch die Lösung?

Immer mehr. Immer höher. Immer weiter. In einer kapitalistischen Leistungsgesellschaft, wie der unseren, zählt nur das. Wer da nicht mithält, der fällt hinten runter. Wird nicht anerkannt. Du hast nicht die aktuellen Markenklamotten? Dein Auto ist zu alt? Kein SUV? Zu klein? Dein Smartphone ist über ein Jahr alt? Du hast kein Geld, um in die neue, hippe Bar zu gehen? Du bist out.

Diese Leistungsgesellschaft fordert ihre Opfer. Du. Du suchst in einer Sucht verzweifelt vergessen und und entfernst dich so von dir selbst. Du. Du landest, nach vielen verschiedenen Therapien, wegen deiner Depression in der Psychiatrie. Du. Du funktionierst nur mit Medikamenten. Oder unter Drogen. Du. Du vergisst, wer du bist. Dein Ziel vor Augen hast du verloren. Nicht mehr auf dem Weg bist du. Oder auf einen Falschen. Du. Geblendet von einer Ideologie, der du folgst. Die dich nur benutzt. Ausnutzt. Du. Du läufst einfach nur mit. Ohne zu denken. Ohne dich selbst zu verstehen. Heute wählst du die Rechten, vor vier Jahren hast du links gewählt. Vielleicht aus Protest, aber was denkst du, weißt du das noch? Du. Vor lauter Arbeit hast du verlernt, hast du nicht den Raum und die Zeit, auf deinen eigenen Körper zu hören. Dein Körper, der krank wird. Du. Brauchst immer mehr und mehr, Neues, den großen Kick, um so etwas wie Glück zu fühlen. Ein bisschen reicht nicht. Du. Bist du das nächste Opfer?

Wir fordern. Ein Kind wird mit Forderungen erzogen. Mache dies. Und du bekommst das. Mache dein Zimmer sauber und du bekommst ein Eis. Bringe eine gute Zensur nach Hause und du bekommst 10 Euro. Dieser Form der Erziehung fordert und erzeugt Druck. Was passiert, wenn man diesen Druck unterdrückt. Nicht standhalten kann? Vielleicht schweigen sie. Die Kinder. Funktionieren. Und leben in der ständigen Anspannung, aufpassen zu müssen, um keinen Fehler zu machen. Vielleicht rebellieren die Kinder als Jugendliche. Machen alles anders. Weil sie sich einfach wehren. So entstehen Konflikte, die weiteren Stress erzeugen. Unzufriedenheit. Angst. Und seelische Krankheiten. Und Körperliche. Mit welchen Folgen?

Was passiert, wenn wir schon einem Kind keine Perspektive geben können. Keine Sicherheit. Keine Geborgenheit. „Dann werde ich Hartz vier, wenn ich groß bin.“ Wohin wird so ein Kind später getrieben? Welche Folgen hat die unbewältigte Geschichte der Eltern, der Großeltern? Dieser Kreislauf des Unglücks, des Leidens vielleicht über Generationen?

Was bedeutet es, wenn du dich vor deinem Kind mit einer Maske zeigst. Dein Gefühl unterdrückst. Nicht authentisch bist. Natürlich muss man aufpassen, kann seinen Gefühlen nicht immer freien Lauf lassen, weil man immer auch sein „Gegenüber“ sehen muss. Was dieser verkraften kann. Was dieser sehen kann. Ob mein Sein die Freiheit des anderen einschränkt, behindert, stört. In welcher Situation und Gefühlslage der andere ist. Und vieles mehr. Ein Kind spürt, nimmt wahr. Intuitiv. Vieles noch, ohne sich dazu mit seinem Wissen Gedanken machen zu können, erklären zu können. Was passiert, wenn ein Kind Gegensätzliches wahrnimmt und dies aber nicht deuten kann. Einen Widerspruch empfindet, zwischen dem, was gezeigt wird, und dem was ist. Was macht dies mit der Seele des Kindes?

Du diskutierst mit deinem 3 jährigen Kind. Willst du das? Willst Du jenes? Wollen wir das so machen? Was willst du? Natürlich. Vor der Gedankenwelt der Erwachsenen ist es das, was wir wollen, ein Kind mit einzubeziehen, es zu fragen. Aber kann ein Kind das schon wissen? Ist es nicht eine Überforderung eines Kleinkindes, mit Fragen und Diskussionen eine Verantwortung abzuverlangen, die es noch nicht übernehmen kann? Braucht ein Kind nicht eher den beschirmten Raum, dass manches einfach geregelt ist, die Sicherheit daraus, aus der es seine eigenen Fragen an die Welt finden kann?

Wir wollen Inklusion. Inklusion bedeutet, dass jeder Mensch ganz selbstverständlich dazu gehört. Egal wie er aussieht, welche Sprache er spricht, welches Geschlecht er hat oder ob er behindert ist. Alle sollen die gleichen Rechte haben. Gefördert werden. Zusammen mit anderen. Die gleiche Chance haben. Ein guter, schöner Gedanke. Aber stellen wir auch wirklich alle Ressourcen zur Verfügung, ohne jeglichen Druck sparen zu müssen? Ist eine individuelle Förderung möglich? Mit aller Kraft. Ohne den Blick auf die Kosten. Gibt es einen Schutzraum. In dem einen nichts passieren kann. In dem man nicht beurteilt wird. In dem man nicht an den Maßstäben der anderen gemessen, bewertet wird. Und wo wird die Überforderung derjenigen dabei aufgefangen, die mit den unterschiedlichen Niveaus unterfordert sind. Es kann nur individuelle Lösungen geben. Kein alles über einen Kamm scheren. Was für einen gut ist, muss es nicht für alle sein. Manchmal ist es besser, wenn bestimmte Gruppen einfach auch nur unter sich bleiben können, um hier ihre Innere Kraft zu finden, den Alltag zu meistern. Weil es andere einfach mit ihren Erfahrungshorizont nicht verstehen können. Weil vielleicht auch Persönlichkeit verloren geht. So wie sich der eine mehr in einer Gruppe entfalten kann, der andere aber die Abgeschiedenheit braucht, so muss einfach alles einzigartig sein dürfen. Es ist die große Herausforderung, nicht alle gleich zu machen, jede Individualität zuzulassen, und dennoch ein miteinander zu leben.

Was macht es mit uns, wenn wir oft mit einem Feindbild vor Augen leben. Der andere ist Schuld, weil es uns nicht gut geht. Der Ausländer. Der Jude. Der Islam. Wer auch immer. Leben wir in einer Angst. Vor einer Bedrohung. Und um von dieser Angst nicht zerstört zu werden, suchen wir den Sündenbock im anderen. Im Fremden. In dem, was wir nicht kennen. Denn das ist so viel einfacher, als das andere kennen lernen zu wollen. Verstehen zu lernen. Und akzeptieren zu können.

Wir leben auf Kosten anderer. Wir sind uns selbst der Nächste. Ohne Verantwortung zu tragen. Ohne unsere Verantwortung gerecht zu werden. Was macht es auch, die Natur auszubeuten. Wenn wir damit ein gutes Leben haben. Was macht es, wenn wir heute die Umwelt mit allen möglichen Unrat verschmutzen. Es fällt doch erstmal nicht auf. Aus den Augen aus dem Sinn. Klimaveränderungen wirken sich erst viel später aus. Oder woanders. Oder sind Erfindung des Feindes. Des Bösen. Wasserverschmutzung ist nicht hier. Entwickeln wir einen Filter. Diesel nach dieser Norm ist sauber. Sagt man uns. Wir fördern das mit unserer Steuerermäßigung. Wegen Profitgier einzelner. Aber wir beteuern, wegen Arbeitsplätze. Lügen wir. Betrügen wir. Wenn eine Erfindung nicht klappt. Damit wir in unserer Gier so weiter machen können, wie bisher.

Werden wir zu Grunde gehen. Jeder. Einzeln. Am psychischen Druck in dieser Gesellschaft. Oder gemeinsam. An den Folgen des nächsten Weltkrieges? An den Folgen des Klimawandels? Nicht nur die Menschheit ist bedroht.

Der jetzt dringend notwendige Anfang, die wirkliche Aufgabe der Menschheit, ist also, dass wir uns über unseren pädagogischen Ansatz als Gesellschaft Gedanken machen müssen. Und um unsere Leitlinien. Unsere Werte. Diese hinterfragen. Ändern. Zum Wohl aller. Nicht Einzelner. Zum Wohl der Erde. Der Natur. Der Menschheit. Wenn es nicht zu spät ist. Für die Lösung.

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