Die Welt des Menschen

Menschen haben sich eine eigene Realität geschaffen. Diese Realität, diese Welt des Menschen, ist weit entfernt von der Welt, der Natur, in der der Mensch lebt. Darin sehe ich das Problem überhaupt. Der Mensch empfindet sich als etwas besseres, höherstehend als alles, was sonst in der Welt existiert, er erhebt sich darüber. Über alles. Der Mensch sieht sich selbst als Gott, der über allem steht.

„Als Kolonialismus wird die meist staatlich geförderte Inbesitznahme auswärtiger Territorien und die Unterwerfung, Vertreibung oder Ermordung der ansässigen Bevölkerung durch eine Kolonialherrschaft bezeichnet. Kolonisten und Kolonialisierte stehen einander dabei kulturell in der Regel fremd gegenüber, was bei den Kolonialherren im neuzeitlichen Kolonialismus mit dem Glauben an eine kulturelle Überlegenheit über sogenannte „Naturvölker“ und teils an die eigene rassische Höherwertigkeit verbunden war.[1] Diese Vorstellung wurde durch frühe Theorien einer soziokulturellen Evolution gestützt. Die Kolonisierung der Welt durch europäische Nationen leistete der Ideologie des Eurozentrismus Vorschub.[2] …

1 Osterhammel 1995: S. 19–21.

2 Hans Köchler: Demokratie und neue Weltordnung: ideologischer Anspruch und machtpolitische Realität eines ordnungspolitischen Diskurses. AG Wissenschaft und Politik, 1992. S. 9, 26.“

Zitat: Wikipedia

Und heute. Es hat sich nicht viel geändert. Neokolonialismus. Mit dem Geld der Großmächte werden Abhängigkeiten geschaffen. Investitionen in den armen Ländern führen zu wachsenden Schulden, die die Regierungen dieser Länder, in ihren Möglichkeiten Entscheidungen für ihr Volk zu treffen, stark einengen. Damit sind sie in der Hand der mächtigen Staaten, die die Rohstoffe und Bodenschätze, bis zum letzten Rest, ausbeuten. Die Einwohner des Landes haben davon nicht viel, nur wenig kommt bei ihnen an. Sie verlieren. Das meiste landet in den Taschen weniger. In Kenia werden die Esel nach China exportiert. Und fehlen so der Bevölkerung des Landes. In Südamerika beuten Firmen die Regenwälder aus, roden diese für die Landwirtschaft, oder für exzessive Viehhaltung. Einer Landwirtschaft, die vor allem den Profit im Auge hat, auf Monokulturen setzt, und dabei fragwürdige Methoden, wie die Gentechnik, einsetzt, nur um den Ertrag weiter und weiter zu steigern.

Wir seien also besser als Naturvölker, also konnten wir sie ausbeuten. So dachte man. So denkt man noch heute. Und hinterlässt Wüste, Zerstörung, Leid, Tod. Unser europäischer Reichtum der „Zivilisation“ ist auf Kosten sehr vieler Länder und Millionen von Menschen entstanden. Keine 150 Jahre ist das her. Heute sind die Nachkommen dieser Opfer der Kolonialzeit als Flüchtlinge auf dem Weg nach Europa. Schiffen mit Flüchtlingen wird das Anlegen in Italien, Spanien und anderen Ländern verweigert. Grenzen werden errichtet. Um den Reichtum zu schützen, den Europa, zu Teilen auf verbrecherischer Weise, erworben hat. Menschen aus Afrika, Amerika, Asien. Naturvölker. Sind diese Menschenleben weniger Wert? Warum? Lachen, weinen, lieben, leben, trauern, fühlen, diese Menschen nicht genauso wie wir? Machen sie nicht genauso Fehler wie wir? Sind sie nicht Lebewesen, nicht besser, nicht schlechter, wie wir?

Bei aller Kritik. Ich möchte nicht zurück zu früher und in Höhlen wohnen. Auto, Handy, Waschmaschine, und sehr viele andere Produkte der Zivilisation sind wirklich gute Erfindungen. Mit der Zeit hat sich die Arbeitswelt gewandelt, Berufe sind ausgestorben, andere haben sich neu entwickelt. Die Menschen leben heute anders als Jahrhundert vorher. Die Lebenserwartung und Lebensqualität ist für viele Menschen besser geworden. Das ist auch gut. Aber es gilt nicht, gleich, für alle Menschen. Und die Schnelligkeit ist enorm gewachsen, in der sich durch technische Veränderungen das Leben anpassen muss. Ich glaube, mit dieser Schnelligkeit kann die Psyche des Menschen nicht unbedingt mithalten. So lebt der Mensch in der Zivilisation oft in einer psychischen Anspannung, eine seelische Überforderung ist die Folge. Zivilisation macht krank.

In der Welt des Menschen ist Geld ein wichtiger Faktor. Die gesamte Wirtschaft, die Industrie, alles dreht sich um das Geld. Wer Geld hat, der ist wer. Alles wird monetär bewertet, kann ich es kaufen, was kostet es? Dieses Denken hat sich in alle Bereiche des menschlichen Lebens, in Kultur und Sport, in Bildung und Gesundheit, in unserem Umgang mit der Natur, usw., ausgebreitet.

Wir sprechen von Musikindustrie. Erfolgreiche Hits entstehen, wenn diese einer strengen Norm entsprechen, wie der, in den ersten 30 Sekunden das gesamte Spektrum des Songs zu enthalten. Wie viel kann ich verdienen, mit meinem Lied, auch wenn es ähnlich klingt, wie das der Konkurrenz? Kinder, die ein Musikinstrument nur für sich spielen lernen wollen, werden aussortiert, den zum musizieren gehört das Vorspielen vor anderen. Oder sie müssen privat teure Einzelstunden nehmen. Jede individuelle Entwicklung von Fähigkeiten wird so behindert, weil sie nicht in die „Norm“ passt. Wo bleibt der Spaß, wo der Reiz der individuellen Kreativität, die in kein Raster gezwängt wurde?

Die kleineren Kinder haben noch viel Spaß beim Handball, im Verein beim Fußball, im Sport. Aber spätestens in der Jugendmannschaft zählt nur noch Leistung, hartes Training durch beinharte Trainer ist der Weg zum Erfolg. Und Erfolg heißt, Geld zu verdienen. Fußballer der 1. Bundesliga verdienen Millionen, ohne Relation zur Vernunft. Darin wird der Erfolg gemessen. In Leistung, in Geld. Nicht im Spaß an der Sache an sich, nicht darin, dass es dem Körper, der Seele guttut. Menschen, die die Leistung nicht bringen, werden aussortiert, sie haben keinen Platz mehr in der Mannschaft. Wo bleibt die unbeschwerte Freude?

In der Schule zählen nur die Noten. Sobald ein Schüler in einen Fach keine guten Zensuren erhalten kann, wird er als Versager abgestempelt. Weder wird der Schüler wirklich motiviert, noch werden seine individuellen Fähigkeiten gesehen und gefördert, dafür fehlen die Kapazitäten, die Bildungseinrichtungen, die Klassen sind zu groß, die Lehrer überfordert und lustlos und nicht mehr darauf vorbereitet, ihre Schüler zu einzigartigen, ganz individuellen Menschen zu bilden. Gute Zensuren stehen für Leistung, und nur mit Leistung verdient man Geld.

Das Gesundheitswesen definiert Krankheit als „nicht arbeitsfähig“ zu sein. Damit ordnet sich der Mensch, seine Gesundheit, dem Ziel unter, Arbeiten zu können, Leistung zu bringen, Geld zu verdienen. Wer nicht so leben kann oder will, wer eine andere Einstellung zum Leben hat, wer körperlich nicht mithalten kann, der wird abgewertet, als Faulpelz, als Schmarotzer, der dem Staat auf der Tasche liegt. Ein bedingungsloses Grundeinkommen bekommt keine Chance. Alternative Medizin, Heilpraktik, können sich nur Menschen mit genügend Geld leisten. Wenn bei einigen Ideen auch eher die Möglichkeit, damit einfach Geld zu „verdienen“, im Vordergrund steht, so zeigt sich auch hier: Nur wer Geld hat, kann es sich auch leisten, andere fallen aus dem System.

Ein Blatt verliert seinen Baum. Blätter sind wichtig, beispielsweise für die Fotosynthese. Aber Menschen sagen es nicht so. Sie sagen, ein Baum verliert seine Blätter. Rotkäppchen und der Wolf. Der Wolf ist schlecht. In Augen des Menschen. Was schlecht ist, wird gejagt, getötet, ausgerottet. Bis es ausstirbt. Dafür gibt es viele Beispiele: Vögel, wie der Geier. Ängste werden geschürt, Legenden bilden sich, Märchen werden gedichtet. Um das Tun des Menschen zu rechtfertigen. Dabei geht der Blick nur in eine Richtung. Aus der Sichtweise des Menschen. Es übersieht den Nutzen des Tieres, seinen eigenen Wert und seinen ökologischen Platz in der Welt.

Menschen sollten ihre Sichtweise ändern.

Zusammenfassend. Das System des Menschen, die Welt des Menschen, ist in vielen Belangen schlecht. Schlecht für Menschen, die nicht ins System passen, schlecht für die Welt, die Natur, die dem Menschen seinen Lebensraum gibt. Es fördert durch Ausbeutung die Ungleichbehandlung, die Zerstörung und führt so zur Vernichtung, voraussichtlich nicht nur der Menschheit. Es ist im Inneren auf die Erhaltung dieses Systems, dieser Welt des Menschen, ausgelegt, und spielt der Menschheit vor, alles sei zum Wohl des Menschen, des Landes, alles sei gut.

Der Mensch ist ein Verbrecher. Die Welt des Menschen ist eine Lüge.

Gibt es einen Ausweg? Meiner Ansicht nach ja, aber ein möglicher Ausweg erfordert eine unbedingte Änderung der Lebenseinstellung des Menschen, einer Änderung der Welt des Menschen. Diese Welt muss sich öffnen. Sie muss zur wirklichen Wahrheit finden. Sie muss die Gleichberechtigung und Gleichbehandlung aller, der Natur, der Pflanzen und Tierwelt, aller Menschen, als Basis haben. Sie darf sich nicht über wirtschaftlichen Profit, über Gier und Macht definieren, sondern muss ihren Sinn im Leben an sich finden. Darin, dass der Mensch, dass jeder lebt. Ein Recht auf Leben hat. Sein Leben. Der Mensch, sein Denken, muss darauf ausgerichtet sein, sein Leben nicht auf Kosten anderer, sondern mit anderen, miteinander, zu gestalten. Geld, als Zahlungsmittel, als Möglichkeit das Tauschen einfacher zu machen, ist eine gute Erfindung. Geld, um damit zu spekulieren, um es anzuhäufen, und zu verschwenden, ist fragwürdig. Einen Wert kann nur haben, was man anfassen kann. Alles, was man anfassen kann oder könnte, hat seinen Wert. Auch wenn es einen beim Anfassen mal so eben auffressen könnte, wie ein nettes Krokodil.

Erfindungen, wissenschaftliche Entdeckungen müssen sich unterordnen, immer, nicht nach ihrem eventuellen Profit, sondern nach dem Sinn für die gesamte Welt, beurteilt und entwickelt werden. Was nur der Menschheit dient, braucht das die Welt wirklich? Arbeit sollte nicht mehr der Mittelpunkt des menschlichen Lebens sein. Auch Leistung und Macht, Geld auf dem Bankkonto und die Größe des Autos, sollte nicht mehr im Zentrum von allem stehen. Gute Leistung kann Motivation sein, um besser zu werden. Gute Zensuren können das ausdrücken. Aber damit ist auch gut, eine viel größere Motivation sollte das Leben an sich sein, der Erhalt des Lebens und damit die Lebensgrundlagen aller. Jede industrielle und wirtschaftliche Handlungsweise des Menschen muss dem klar untergeordnet werden. Das Handeln des Menschen darf nicht mehr ein Selbstzweck einzelner Menschen, die sich als Elite begreifen, sein. Jeder Glaube, jede kirchliche Institution, jeder Mensch, muss dies als Grundlage anerkennen. Demokratische Regierungen müssen entsprechend arbeiten. Gesetze müssen entsprechend formuliert werden, das moralische Empfinden muss sich entsprechend entwickeln, in dem die Lebensweisen des Menschen auf dem Prüfstand kommen, hinterfragt werden und ihre Ziele neu definiert werden, das Ziel der Bildung, der Kultur, des Sport, des Lebens.

Immer und immer größer werden, Wachstum ohne Ende, kann es nicht geben. Das widerspricht auch dem dümmsten Verstand. Profitgier macht den Einzelnen reich und mächtig. Das begreift leider auch jeder Armleuchter. Wir können dem nur mit Wahrheit entgegnen. Jedes Leben hat sein Ende. Aber es bildet die Wurzel, den Samen für neues Leben. In jedem Menschen lebt Vergangenes. Und lebt damit weiter. In einem Kreislauf. Wir sollten aus der Vergangenheit lernen. Uns aus der Geschichte, aus unseren Irrungen und Fehlern heraus, entwickeln. Zu einer solidarischen Gemeinschaft aller Menschen, die sich aus individuellen, einzigartigen Wesen zusammensetzt und eingebettet ist, und nur existieren kann, mit und in einer natürlichen, ökologischen Welt.

Es ist ein langer Weg, der vor der Menschheit liegt, aber es ist dringend an der Zeit.

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